Bibart
Bachmuschelschutz, Gewässerdynamik und Artenvielfalt in einer lebendigen Talaue
Kurzüberblick
Zwischen Altmannshausen und Markt Bibart zeigt sich, wie Gewässerrenaturierung und Bachmuschelschutz zusammenwirken und aus einem Bachlauf wieder ein vielfältiger Lebensraum wird. Die kurze Tour entlang von Bibart und Rehberggraben ist hier weniger eine klassische Wanderung als eine kompakte Gewässer-Exkursion. Ausgangspunkt ist Altmannshausen, von dort führt die rund zweistündige Tour durch die Talaue. Unterwegs werden Bachmuscheln, Biberspuren, Feuchtgebietspflanzen und konkrete Maßnahmen am Gewässer erlebbar.
Warum dieser Ort besonders ist
Auf den ersten Blick wirkt die Talaue der Bibart unscheinbar. Wer genauer hinsieht, entdeckt jedoch einen Lebensraum von außergewöhnlicher Bedeutung. Hier lebt die stark gefährdete Bachmuschel. Sie verbringt ihr Leben verborgen im Bachgrund und erfüllt dabei eine wichtige Aufgabe: Als natürlicher Wasserfilter trägt sie zur Reinigung des Gewässers bei. Die Bachmuschel ist europaweit vom Aussterben bedroht; gefährdet wird sie vor allem durch Nährstoff- und Sedimenteinträge, Strukturarmut und fehlende Beschattung.
Die Bibart und der Rehberggraben gehören zu den bedeutendsten Bachmuschelgewässern Mittelfrankens. Seit 2008 werden die Bäche und ihre Auen im Rahmen des Projekts „Bachmuscheln in Mittelfranken“ betreut und entwickelt. Dass dieses Engagement Wirkung zeigt, wurde 2021 auch durch die Auszeichnung im Wettbewerb „Ausgezeichnete Bäche“ gewürdigt: Rehberggraben und Bibart in Markt Bibart erhielten dort 2021 den 2. Preis unter dem Titel „Heimat für Bachmuschel und Biber durch Eigenentwicklung“.
Doch die Bachmuschel steht nicht allein im Mittelpunkt. Von den naturnahen Gewässern profitieren zahlreiche weitere Arten, darunter die Bekassine, seltene Feuchtwiesenpflanzen und Tierarten der Auenlandschaft.
Was wir hier für Natur und Landschaft tun
Der LPV setzt in Markt Bibart nicht auf eine einzelne Maßnahme, sondern auf ein ganzes Maßnahmenpaket. Dazu gehören Pufferstreifen und Sedimentfallen, die Umwandlung von Acker in Grünland, Gehölzpflanzungen zur Beschattung, der Umbau von Wanderhindernissen sowie der Fang des muschelfressenden Bisams. Genau diese Mischung ist entscheidend: Die Bachmuschel braucht nicht nur sauberes Wasser, sondern auch strukturreiche, beschattete und durchgängige Gewässer mit passenden Wirtsfischen.
Wie konkret das vor Ort aussieht, zeigt die Pflanzaktion an der Bibart im November 2024. Gemeinsam mit dem Wasserwirtschaftsamt Ansbach pflanzten Schülerinnen und Schüler sowie Ehrenamtliche 300 heimische Ufergehölze, die künftig Schatten spenden und das Wasser kühlen. Zusätzlich wurden Buhnen aus Holzpfosten eingebaut und Sohlsteine teilweise entfernt, damit die Bibart wieder natürlicher und dynamischer durch ihr Bett fließen kann.
Tourenverlauf
Die Route startet in Altmannshausen und folgt dem Verlauf von Bibart und Rehberggraben durch die Talaue. Statt spektakulärer Aussichtspunkte stehen hier die kleinen Entdeckungen am Wegesrand im Mittelpunkt. Mal fällt ein vom Biber bearbeiteter Baumstamm ins Auge, mal zeigen sich wasserliebende Pflanzen oder naturnah entwickelte Uferbereiche.
Die Tour eignet sich besonders für alle, die Landschaft bewusst wahrnehmen und verstehen möchten. Sie macht sichtbar, wie eng Gewässerschutz, Artenvielfalt und Landschaftspflege miteinander verbunden sind.
Natur erleben
Unterwegs geht es nicht nur um die Bachmuschel: Mit etwas Glück lassen sich entlang der Gewässer verschiedene Vogelarten beobachten, darunter Rohrweihe und Bekassine. Im Wasser leben Fischarten wie Aitel und Dreistachliger Stichling, die wiederum eine wichtige Rolle im Lebenszyklus der Bachmuschel spielen.
Besonders spannend sind die vielen Spuren, die Tiere hinterlassen: angenagte Äste, Dämme oder Fraßplätze verraten die Anwesenheit des Bibers. Zusammen mit den artenreichen Feuchtwiesen entsteht ein abwechslungsreiches Naturerlebnis, das zu jeder Jahreszeit neue Beobachtungen bereithält.
Gut zu wissen
Die Tour ist keine sportliche Herausforderung, sondern eine entspannte Natur- und Entdeckungsexkursion. Besonders reizvoll sind Frühjahr und Frühsommer, wenn die Vogelwelt aktiv ist und die Auenvegetation ihre größte Vielfalt zeigt.
Bitte bleiben Sie auf den Wegen und gehen Sie respektvoll mit der Natur um. Die Bachmuschel und viele andere Arten reagieren empfindlich auf Störungen. Rücksichtnahme hilft dabei, diesen wertvollen Lebensraum dauerhaft zu erhalten.
Anreise
Ausgangspunkt ist Altmannshausen bei Markt Bibart. Der Startpunkt befindet sich gegenüber dem Ortseingang auf der anderen Seite der B8. Markt Bibart verfügt zudem über einen Bahnhaltepunkt an der Strecke Nürnberg–Würzburg und ist damit auch gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.